Verwandschaft der grössten Blütenpflanze geklärt.

Rafflesi arnoldii. Verwandschaft der grössten Blütenpflanze ist geklärt.

Nach über 180 Jahre fanden Botaniker heraus, zu welcher Familie die grösste Blütenpflanze gehört.

Wer glaubt, für seine Angebetene sei das Grösste gerade gut genug, sollte genau überlegen, ob ein Strauss gigantischer Blütenpflanzen tatsächlich eine gute Idee ist. Immerhin misst die Blüte der Rafflesia arnoldii bis zu einem Meter im Durchmesser und wiegt sieben Kilogramm. Als wäre es deshalb nicht schwer genug, eine passende Vase für sie zu finden, hat die Blume zudem gar keinen Stängel. Doch der entscheidende Grund, der die Pflanze für eine grossartige Liebeserklärung völlig ungeeignet macht, ist: Sie stinkt, und zwar nicht nur ein bisschen, sondern ekelig nach verrottetem Fleisch.

Ausserdem kommt sie sehr selten vor. Rafflesia arnoldii ist in den Urwäldern von Sumatra und Borneo heimisch, wo sie seit 1818 erstmals von den Gelehrten Sir Thomas Stamford Raffles und Joseph Arnold erforscht wurde - daher ihr Name. Seitdem rätseln Botaniker, zu welcher Pflanzenfamilie Rafflesia arnoldii gehört. Eine erste Analyse von Genen aus ihren Kraftwerken der Zelle, den Mitochondrien, zeigt, dass sie zu den Malpighialen gehört, einer sehr grossen Gruppe von bedecktsamigen Pflanzen. Doch diese Gruppe zählt etwa 16'000 Arten. Etwas genauer wollte es die Forscher schon wissen. Ein Team unter Leitung von Botanikern der Harvars Univerity in Cambridge, USA, hat sechs Gene von 111 Pflanzenfamilien der Malpighialen untersucht und mit denen der Riesenblütenpflanzen verglichen. Das Ergebnis: Rafflesia arnoldii gehört zur Familie der Euphorbiaceen, der Wolfsmilchsgewächse, die in unseren Breiten als Kräuter und in den Tropen auch als Bäume vorkommen, zum Beispiel gehört der Kautschukbaum dazu (Sziense online).

Alleine durch das Hinschauen ist es den Forschern unmöglich, das Pflanzenungetüm einzuordnen. Denn der Parasit hat keine Blätter, keinen Stängel und keine Wurzeln, macht nicht einmal Photosynthese und ist in der meisten Zeit des Jahres nicht zu sehen. Ähnlich wie Pilze wachsen Rafflesia arnoldii im Gewebe ihrer Wirtspflanzen heran, den Verwandten des Weins. Innerhalb von Monaten entwickeln sie die fussballgrossen Knospen und schliesslich die Riesenblüten.

Doch eine Fortpflanzung ist gar nicht so einfach: Bis zu 90 Prozent der Knospen sterben vorzeitig ab. Da es männliche und weibliche Blüten gibt, müssen sie sich zur gleichen Zeit öffnen. Die roten, ledrigen Blütenblätter entfalten sich aber nur für fünf bis sieben Tage. In dieser kurzen Zeit müssen es die Aasfliegen, die vom Gestank angelockt werden, schaffen, die Pollen weiterzugeben.